Genusswandern auf dem Lechweg

 Egal ob 15 Jahre oder 65 Jahre alt – der Lechweg, der vom Formarinsee in Österreich bis zum Lechfall in der deutschen Kleinstadt Füssen führt, ist für alle Wanderinnen und Wanderer ein landschaftlich beeindruckendes Erlebnis.


Insgesamt 125 Kilometer, die man sich je nach Fitnesslevel und Kondition auf 7 bis 12 Tage aufteilen kann, führt der Wanderweg immer dem Lech entlang. Übernachtet wird üblicherweise in Hotels, Pensionen und privaten. Diese mehrtägige Wanderung ist keine typische Strecke, auf der man mit dem Zelt viel Freude haben wird. Meistens bewegt man sich nämlich immer nah an der Zivilisation und außerdem ist wildcampen weder auf der österreichischen Seite noch auf dem Abschnitt in Deutschland erlaubt.

Ich habe diese mehrtägige Wanderung mit meiner damals knapp über 60 Jahre alten Mutter gemacht. Dabei war der Zeitpunkt, an dem wir im Frühjahr bequem loslaufen und starten konnten, vom Busfahrplan bestimmt. Der Startpunkt liegt am Formarinsee, wo der Lech seinen Ursprung hat. Dahin gelangt man mit dem öffentlichen Bus ab dem Dorfzentrum von Lech, der eine Mautstraße passiert und im Winter seine täglichen Fahrten einstellt.

Am ersten frühsommerlichen Wochenende, an dem die Buslinie wieder regulär in Betrieb war, sind wir in der Früh zu unserem Ausgangspunkt gelangt. Der See liegt malerisch inmitten einer beeindruckenden Bergkulisse und die ersten Kilometer führt der Weg uns sanft über einen Steig bergab in Richtung der Ortschaft Lech.

Der Schönwetter-Gott war am ersten Tag unserer Wanderung auf unserer Seite und wir haben zwischendurch immer wieder Pausen direkt am Wasser gemacht. Meine Mutter hatte es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, jeden Tag die Füße mindestens einmal in den eiskalten Lech zu halten – und das hat sie auch geschafft!

Da wir in der sehr frühen Sommersaison unterwegs waren, hatten noch nicht alle Unterkünfte und Restaurants entlang des Lechweg geöffnet. Da wir nicht alle Etappen vor gebucht haben, damit wir flexibel bleiben können, hatten wir zwar keine große Auswahl, haben aber problemlos jeden Tag kurzfristig eine Unterkunft gefunden. Angefangen vom schicken 4-Sterne-Landhotel mit beeindruckendem Frühstücksbuffet bis zum Fremdenzimmer im Dachboden eines älteren Pärchens, die uns zum Wein trinken in ihren Garten eingeladen haben.

 

Die Wegführung ist sehr schön und die Markierung ausgezeichnet – es ist fast unmöglich sich zu verlaufen oder falsch abzubiegen. Fast durchgehend hat man den Klang von rauschendem Wasser im Ohr. Die Wege sind ganz unterschiedlich: Schmale Pfade über Wiesen und durch Wälder, Wege am Lech, die man sich auch mit Fahrradfahrern teilt und wirklich nur ganz selten, nah an der Zivilisation, auch ein bisschen Asphalt. Wer eine hochalpine Erfahrung sucht, ist am Lechweg falsch – hier steht der Genuss im Mittelpunkt! Immer wieder laden Bänke zu einer Rast ein und an heißen Tagen kann man sich auch zum Beispiel im Schwimmbad in Weißenbach am Lech mit einem Eis belohnen.

Diese Wanderung war die erste mehrtägige Tour für meine Mutter. Im Vorfeld hat sie noch von einem täglichen Gepäckstransport (welchen es natürlich auch geben würde) geträumt. Das konnte ich ihr glücklicherweise noch ausreden und sie hat sich auf das Abenteuer eingelassen, in der Früh nicht immer zu wissen, wo man am Abend schlafen würde und gleichzeitig alles, was man für eine Wanderwoche braucht, am Rücken zu tragen. 

Für uns hat sich das absolut als richtige Entscheidung herausgestellt: An einem verregneten Tag haben wir nur eine kurze Etappe gemacht und an anderen Tagen, mit Sonne und viel Energie, haben wir Stecken von über 30 Kilometer zurückgelegt. Vor allem dann, wann wir mittags schon in dem Ort waren, der laut Wanderführer, unser Etappenziel gewesen wäre. Meine Mutter hat einen extremen Ehrgeiz entwickelt und sie war die treibende Kraft hinter unseren Ü30-Kilometer-Tagen.

Unsere gemeinsamen Wandertage waren sehr vielfältig: Leichtes auf und ab wechseln sich mit flachen Teilstücken entlang des Lechs ab. Zwischendurch sind auch ein paar steile Höhenmeter zu bewältigen, aber grundsätzlich ist der Lechweg fast für alle Menschen körperlich machbar.

Ich bin froh, dass wir so viel Zeit hatten und weder Blasen noch andere Verletzungen hatten, dass wir den Lechweg komplett am Stück wandern konnten. Manche entscheiden sich dazu, den Lechweg in Etappen zu gehen. Es gibt überall Bushaltestellen und die An- und Abreise mit den Postautobussen ist in jeder Ortschaft möglich. Dadurch, dass das Lechtal aber doch ein Stück von den Hauptverkehrsrouten entfernt ist, ist dies sehr zeitintensiv. Aus diesem Grund würde ich den Weg nach Möglichkeit immer komplett am Stück erwandern – und das kleine Städtchen Füssen ein bisschen genießen lohnt sich ebenfalls. Man muss ja nicht immer sofort am Ende einer Wanderung nach Hause hetzen!






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